Cholesterinwerte richtig lesen

Wenn Menschen ihren Laborbefund in den Händen halten, bleibt oft eines hängen:
„Mein Cholesterin ist zu hoch.“
Was dabei fast immer fehlt, ist die Einordnung. Denn Cholesterin ist nicht gleich Cholesterin – und vor allem sagt ein einzelner Wert selten die ganze Wahrheit über dein Herz-Kreislauf-Risiko aus.
In diesem Artikel erkläre ich dir verständlich,
- welche Cholesterin-bezogenen Blutwerte heute medizinisch relevant sind,
- was sie aussagen
- und worauf du wirklich achten solltest – ohne dich in Details zu verlieren.
Cholesterin braucht Transporter
Cholesterin kann sich im Blut nicht frei bewegen. Es wird an sogenannte Lipoproteine gebunden – Partikel aus Fett und Protein (Eiweiß). Je nach Zusammensetzung unterscheidet man mehrere Klassen, von denen klinisch vor allem diese relevant sind:
- VLDL
- IDL
- LDL
- HDL
- Lipoprotein(a)
Nicht das Cholesterin-Molekül selbst ist das Problem, sondern bestimmte dieser Transportpartikel, die sich in der Gefäßwand ablagern können.
Früher lag der Fokus stark auf:
- Gesamtcholesterin
- HDL-Cholesterin
- LDL/HDL-Quotienten
Heute wissen wir: Das reicht nicht mehr aus.
LDL-Cholesterin (LDL-C): Der wichtigste Startpunkt
LDL-Cholesterin ist nach wie vor der zentrale Basiswert in der Praxis – und das aus gutem Grund.
Langfristig erhöhte LDL-Werte fördern die Einlagerung von Cholesterin in die Gefäßwände und treiben so Arteriosklerose voran. Dieser Prozess beginnt oft Jahrzehnte bevor (sogar schon in den 30ern) Symptome auftreten.
Wenn du dich erstmals mit deinen Werten beschäftigst, reicht es völlig aus, dein LDL im Blick zu behalten.
Wenn du wissen willst, ob dein LDL für dich problematisch ist – abhängig von Alter und Exposition über die Jahre – kannst du unseren Rechner nutzen:
👉 https://www.lipid-legends.com/ldl-cholesterin-kalkulator
HDL-Cholesterin (HDL-C): Kein Schutzschild
HDL wurde lange als „gutes Cholesterin“ gefeiert. Heute sehen wir das differenzierter.
HDL-Cholesterin ist kein aktiver Schutzfaktor, sondern eher ein Marker für den Stoffwechselzustand. Niedrige Werte gehen manchmal einher mit:
- Insulinresistenz
- erhöhtem LDL bzw. ApoB
- metabolischen Problemen
ApoB: Der präzisere Blick – aber nicht für jeden zwingend nötig
ApoB ist ein Protein, das auf allen potenziell gefäßschädigenden Lipoproteinen sitzt. Ein ApoB entspricht einem solchen Partikel.
Damit ist ApoB der präziseste Einzelwert zur Risikobewertung.
Aber wichtig – und das sage ich ganz bewusst:
Wenn du gerade erst anfängst, dich mit Cholesterin zu beschäftigen, musst du dir noch keine Gedanken über ApoB machen. Zu viele Informationen auf einmal können dich nur verwirren. Lies einfach weiter und versuch nicht, dir alles zu merken.
Warum?
- Rund 90 % der ApoB-haltigen Partikel sind LDL
- In den meisten Fällen laufen LDL-C und ApoB parallel
Ausnahme:
Wenn du
- Diabetes hast
- eine Fettleber
- oder stark erhöhte Triglyceride
dann ist ApoB besonders relevant. In diesen Fällen begleitet dein Arzt dich ohnehin engmaschig (hoffentlich).
Non-HDL-Cholesterin: Die einfache Alternative
Non-HDL-Cholesterin ergibt sich aus:
Gesamtcholesterin – HDL-Cholesterin
Dieser Wert umfasst alles Cholesterin in potenziell problematischen Partikeln (LDL, VLDL, IDL, Lp(a)) und ist aussagekräftiger als LDL allein, wenn ApoB nicht bestimmt wird.
Gesamtcholesterin: Grober Überblick
Gesamtcholesterin war früher der Standardwert. Heute dient er eher als Orientierung.
Er kann ein erster Hinweis sein, sagt aber wenig darüber aus, wie viele der problematischen Partikel tatsächlich im Blut unterwegs sind.
Lipoprotein(a): Genetischer Risikofaktor
Lp(a) ist eine spezielle Form von LDL mit einem zusätzlichen Protein. Wichtig dabei:
- meist genetisch erhöht
- kaum über Ernährung oder Lebensstil senkbar
- klar mit Herzinfarkt-Risiko assoziiert
👉 Lp(a) sollte mindestens einmal im Leben gemessen werden, besonders bei familiärer Vorbelastung.
Wenn dein Lp(a) hoch ist, kannst du es zwar kaum senken, aber du kannst dein Gesamtrisiko massiv beeinflussen, indem du alle anderen Risikofaktoren reduzierst.
Stell dir vor:
Hohes Lp(a) und
- kein Sport
- schlechte Ernährung
- Rauchen
- chronischer Stress
→ Das ist der perfekte Nährboden für ein kardiales Ereignis bereits in den 40ern.
Fazit
Du musst kein Mediziner sein, um deine Werte sinnvoll einzuordnen.
Meine pragmatische Empfehlung:
- Starte mit LDL-Cholesterin
- Nutze bei Interesse unseren LDL-Kalkulator
- ApoB ist der präzisere Wert, aber kein Muss für den Einstieg
- Lp(a) einmal im Leben messen
Cholesterin ist kein Urteil.
Es ist ein Werkzeug, mit dem du steuern kannst – wenn du weißt, wie.
-- Dr. András Gregor
Lipid Magazin
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