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Cholesterin

Vitamin K2 und Arterienverkalkung

Vitamin K2 bremst die Verkalkung deiner Arterien. Ob das gut für dein Herz ist... ?

Weniger Kalk in deinen Arterien klingt eher nach einer guten Nachricht. Oder?
Genau das haben Forscher zwei Jahre lang bei 180 Menschen mit Herzkrankheit getestet, gemessen mit einem CT-Wert, der zeigt, wie viel verkalkte Plaque sich in den Herzkranzgefäßen angesammelt hat, dem sogenannten Kalk- oder Agatston-Score. Wer täglich 360 µg Vitamin K2 nahm, hatte am Ende deutlich weniger davon: 29 % langsameres Wachstum als unter Placebo, bei der Kalk-Masse sogar 42 % langsamer. Klingt nach einem klaren Sieg.

Ist es aber nicht unbedingt. Und der Grund dafür ist eine der seltsamsten Wendungen, die die Kardiologie in den letzten Jahren hingelegt hat.

Ist mehr Kalk in deinen Arterien gut oder schlecht?

Die intuitive Antwort ist schlecht, logischerweise, mehr Ablagerung, mehr Gefahr. Nur stimmt sie nicht ganz. Es gibt eine weitverbreitete, sehr gut erforschte Herz-Kreislauf-Therapie, die nachweislich Herzinfarkte und Sterblichkeit senkt und dabei gleichzeitig den Kalk-Score in den Arterien erhöht. Eine gepoolte Analyse von acht randomisierten Ultraschall-Studien zeigt es: Unter dieser Therapie schrumpft die gesamte Plaque-Last, während die Verkalkung gleichzeitig zunimmt. Etwas, das Kalk in den Arterien hinzufügt, kann also trotzdem Leben retten.

Der Grund liegt in der Biologie der Plaque selbst. Stell sie dir als eine Art fettige, entzündete Tasche in der Arterienwand vor. Gefährlich ist nicht der Kalk darin, sondern dass diese weiche Tasche aufreißen und ein Blutgerinnsel auslösen kann. Dein Körper reagiert darauf wie auf jede Wunde, die er nicht vollständig heilen kann: Er kapselt sie ab, mit hartem Kalk, wie mit einer Narbe, die aushärtet. Der harte Kalk ist nicht die Bombe. Er ist die Hülle, die sie entschärft.

Und jetzt zurück zu Vitamin K2. Es verlangsamt genau diese Kalk-Bildung. Die Frage, die die neue Studie nicht beantworten kann, lautet also nicht "wird weniger Kalk gebildet", sondern "wird dadurch auch weniger geheilt". Bremst K2 die Stabilisierung von Plaque, die sich noch entwickelt? Die Studie hat weiche, wirklich gefährliche Plaque nie gemessen. Sie kann diese Frage schlicht nicht beantworten.

Es gibt noch einen zweiten Grund zur Vorsicht. Bei den Teilnehmenden, deren Kalk-Score am schnellsten wuchs, den eigentlichen Risikopatienten also, hat K2 nichts gebracht. Der Anteil dieser Hochrisiko-Gruppe war in beiden Studienarmen gleich groß, ausgerechnet dort, wo ein Effekt am meisten zählen würde, blieb er aus. Und diese eine positive Studie steht nicht für sich: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigte eine sechsmonatige K2-Gabe keinerlei Effekt. Bei Dialysepatienten fand eine Auswertung von 11 randomisierten Studien keinen Effekt auf die Sterblichkeit, also auf tatsächliche Todesfälle statt nur auf einen Scan-Wert.

Was am Ende bleibt: eine methodisch saubere, gut gemachte Studie, die eine enge Frage klar beantwortet (bremst K2 die Verkalkung? Ja) und eine viel wichtigere Frage offenlässt (senkt K2 das Herzinfarktrisiko? Unbekannt). Der Vergleich von oben zeigt, warum das zwei verschiedene Fragen sind, keine Formsache.

Und die Knochengesundheit?

Hier ist die Evidenz etwas robuster, mit derselben Einschränkung. Die bislang beste Studie dazu gab 244 postmenopausalen Frauen drei Jahre lang täglich 180 µg MK-7 und fand eine langsamere Abnahme der Knochendichte an Wirbelsäule und Hüfte. Auch hier gilt: Knochendichte ist ein Messwert auf einem Scan, keine Fraktur. Ob K2 tatsächlich Knochenbrüche verhindert, ist bislang nicht belegt.

Praktisch: Falls du es trotzdem ausprobieren willst

Die Form MK-7, die in den Studien verwendet wird, ist chemisch instabil. Sie zerfällt schneller, wenn sie zusammen mit Mineralstoffen wie Calcium oder Magnesium in derselben Kapsel steckt. Unabhängige Labortests haben bei manchen Produkten nur einen Bruchteil der deklarierten Menge gefunden, in einem Fall knapp ein Drittel. Eine geschützte, verkapselte Form ist stabiler.

Es gibt keine offizielle Referenzmenge für K2. Studien reichen von 180 bis 720 µg täglich, eine Obergrenze wurde nie festgelegt, und die längsten Studien laufen über drei Jahre. Über die Sicherheit einer Einnahme über Jahrzehnte weiß niemand etwas. Eine konservativere Dosis, etwa 90 µg täglich, verwettet nicht gleich zwei Jahrzehnte auf eine experimentelle Hochdosis.

Und die Sicherheitsfrage: Wer Warfarin nimmt, sollte K2 meiden oder nur in ärztlicher Absprache verwenden. MK-7 wirkt direkt gegen Warfarin, schon in winzigen Dosen, weil es sich tagelang im Körper hält. Neuere Blutverdünner wie Apixaban, Dabigatran oder Rivaroxaban sowie Aspirin sind davon nicht betroffen.

Mythen über Vitamin K

"Ohne Vitamin D und Magnesium landet das Kalzium in den Arterien statt in den Knochen."
Überzogen. Du brauchst ausreichend Vitamin D und Magnesium, genau wie bei jedem anderen Vitamin und Mineralstoff auch. Die überzeugendste Studie zu K2 und dem Herzen hat K2 allein getestet, ganz ohne Megadosen der beiden anderen.

"Weniger Kalk in den Arterien ist immer besser."
Nein. Eine gut erforschte Herz-Kreislauf-Therapie erhöht den Kalk-Score in den Arterien und senkt trotzdem nachweislich Herzinfarkte. Ein niedrigerer Kalk-Score kann Heilung bremsen statt fördern, das weiß bislang niemand sicher.

"K2 senkt mein Herzinfarktrisiko."
Nicht bewiesen. Keine einzige Studie hat das bisher mit echten Herzinfarkten oder Todesfällen gezeigt, nur mit einem Scan-Wert.

"Vitamin-K2-Präparate haben eh kaum noch Vitamin K2 drin, weil es sowieso zerfällt."
Zu pauschal. Der schnelle Abbau betrifft vor allem unverkapselte MK-7-Formen, die zusammen mit Mineralstoffen wie Calcium oder Magnesium in derselben Kapsel stecken. Unabhängige Labortests haben genau das bei mehreren Produkten bestätigt, aber geschützte, verkapselte Präparate mit Prüfsiegel von ConsumerLab oder Labdoor hielten die deklarierte Menge zuverlässig.

Häufige Fragen

Muss ich K2 mit Vitamin D und Magnesium kombinieren?
Ausreichende Mengen von beidem reichen, keine Megadosis nötig.

Wie viel K2, wenn ich es trotzdem probieren will?
Ohne offizielle Referenzmenge ist eine konservative Dosis um 90 µg täglich der vorsichtigere Weg, weil Langzeitdaten fehlen.

Ist K2 sicher, wenn ich Blutverdünner nehme?
Bei Warfarin: nein, nur mit ärztlicher Absprache. Bei Apixaban, Dabigatran, Rivaroxaban oder Aspirin: kein bekanntes Problem.

Hilft K2 gegen Osteoporose?
Es verlangsamt in Studien den Verlust an Knochendichte, ob es Brüche verhindert, ist unbewiesen.

Was hat Vitamin K mit Rattengift zu tun?
Mehr, als man denken würde. Warfarin, der Blutverdünner, wurde ursprünglich als Rattengift entwickelt und wird in höherer Dosierung teils noch heute so eingesetzt. Bei Menschen wirkt es in ärztlich kontrollierter, niedriger Dosis als Gerinnungshemmer, indem es genau den Vitamin-K-Kreislauf blockiert, den K2 für seine Wirkung braucht.

Was ist der Unterschied zwischen Vitamin K und Vitamin K2?
"Vitamin K" ist der Sammelbegriff. Vitamin K1 (Phylloquinon) steckt vor allem in grünem Blattgemüse und ist in erster Linie für die Blutgerinnung zuständig. Vitamin K2 (Menachinone, etwa MK-7) entsteht durch Fermentation oder wird von Bakterien gebildet und spielt die größere Rolle für Knochen und Gefäße, um die es in diesem Artikel geht.

Wie hoch ist die empfohlene Dosierung von Vitamin K?
‍Für Vitamin K1 gibt es offizielle Werte, in der EU liegt der Nährstoffbezugswert bei 75 µg täglich für Erwachsene. Für Vitamin K2 gibt es keine eigene, anerkannte Tagesdosis

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin K?
K1 steckt vor allem in grünem Blattgemüse wie Grünkohl, Spinat und Brokkoli sowie in Pflanzenölen. K2 kommt hauptsächlich aus fermentierten Lebensmitteln, allen voran dem japanischen Natto, sowie in kleineren Mengen aus Käse, Eigelb und Leber.

Enthalten Öle Vitamin K?
Ja, Vitamin K1. Raps-, Soja- und Olivenöl zählen sogar zu den besseren pflanzlichen K1-Quellen, weil K1 fettlöslich ist und in den Blättern der Pflanze sitzt. K2 dagegen entsteht durch Fermentation oder bakterielle Aktivität, nicht in der Ölpresse.

Welche Nebenwirkungen hat Vitamin K?
Bei den natürlichen Formen K1 und K2 sind bislang kaum Nebenwirkungen bekannt, deshalb gibt es auch keine festgelegte Obergrenze. Die eine relevante Ausnahme ist die Wechselwirkung mit Warfarin, siehe oben. Für die künstliche Form Vitamin K3 (Menadion) sieht die Datenlage anders aus, die wird in Nahrungsergänzungsmitteln für Menschen nicht mehr eingesetzt.

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